
Bilder-SEO: Warum Google Ihre Fotos nicht sieht (und wie der Telefon-Test das ändert)
Inhaltsverzeichnis
Sie haben investiert. Richtig investiert.
Ein Fotograf war da, das Licht hat gestimmt, das Team hat gelächelt. Ihre Produkte glänzen, Ihr Auftritt wirkt. Für das menschliche Auge ist das großes Kino.
Für Google ist es ein dunkler Raum.
Die unbequeme Wahrheit über die größte Suchmaschine der Welt
Google ist blind.
Nicht im wörtlichen Sinn, denn die Algorithmen erkennen heute durchaus, was auf einem Foto zu sehen ist. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist: Die Suchmaschine verlässt sich auf Ihre Hinweise. Auf das, was Sie ihr in die Hand geben. Wenn Sie nichts geben, gibt es nichts zu verstehen.
Und genau hier liegt der Fehler, den fast alle Webseitenbetreiber machen. Sie laden hochwertige Bilder hoch und gehen davon aus, dass die Suchmaschine schon erkennt, worum es geht. Sie tut es nicht. Zumindest nicht zuverlässig genug, um Ihren Beitrag in der Bildersuche oben zu platzieren.
Zwei Fehler kosten Sie Reichweite. Zwei kleine Fehler. Beide sind in zehn Minuten zu beheben.
Fehler Nummer eins: Der Datenmüll im Media-Ordner
Öffnen Sie Ihren Media-Ordner. Schauen Sie ehrlich hin.
IMG_2588_final.jpg
DSLR_002.jpg
Unbenannt-1.jpg
Bild_neu_final_final.jpg
Wenn das Ihr Alltag ist, sind Sie nicht allein. Aber Sie sind auch nicht im Vorteil.
Diese Dateinamen sind für Google das, was eine ungeordnete Kramschublade für jemanden ist, der etwas Bestimmtes sucht. Es liegt alles drin. Niemand findet, was er braucht. Die Suchmaschine bekommt eine Datei mit dem Namen Unbenannt-1 und kann damit genau das tun, was der Name verspricht: nichts.
Der erste Schritt ist banal. Er kostet keine zwei Minuten. Geben Sie Ihren Bildern einen sprechenden Namen, bevor Sie sie hochladen.
Aus IMG_2588_final.jpg wird siebtraeger-kaffeemaschine-chrom-detail.jpg.
Drei Regeln helfen dabei:
- Bindestriche statt Leerzeichen oder Unterstrichen.
- Kleinschreibung, keine Großbuchstaben.
- Beschreibend, ohne in Romanlänge abzudriften.
Das ist der erste Hinweis, den Sie der Suchmaschine geben. Er sagt: Hier geht es um eine Siebträgermaschine in Chrom-Optik. Nicht um irgendein Foto Nummer 2588 aus einem fremden Leben.
Sie unterschätzen, was dieser Schritt bewirkt. Und Sie überschätzen, wie viele Ihrer Mitbewerber ihn machen.
Fehler Nummer zwei: Das Bild ohne Stimme
Selbst der beste Dateiname reicht nicht. Google braucht zusätzlichen Kontext. Den liefern Sie über den Alt-Tag, den Alternativtext.
Der Alt-Tag ist die Stimme, die Ihr Bild bekommt, wenn niemand es sehen kann. Eine Stimme, die in zwei Richtungen spricht: zur Suchmaschine und zu echten Menschen.
Und genau hier passieren die meisten Fehler.
Manche Webseitenbetreiber lassen das Feld leer, weil sie nicht wissen, was hineingehört. Andere füllen es mit Schlagworten, weil sie irgendwo gelesen haben, dass das gut für SEO sei. Beides ist falsch.
Der Telefon-Test
Vergessen Sie alles, was Sie über Keyword-Stuffing gelesen haben.
Stellen Sie sich stattdessen Folgendes vor: Sie sitzen in einem Café und telefonieren mit einer guten Freundin. Sie hat heute Migräne, sie kann ihren Bildschirm nicht ansehen. Aber sie will trotzdem wissen, was Sie ihr da gerade geschickt haben.
Wie beschreiben Sie ihr das Bild?
Sicher nicht so:
„Kaffeemaschine kaufen billig München.“
So redet niemand. So redet ein Roboter, der vorgibt, ein Mensch zu sein. Ihre Freundin würde am anderen Ende der Leitung schmunzeln und fragen, ob Sie noch ganz bei Sinnen seien.
Sondern eher so:
„Ein Barista gießt frische Milch in einen Cappuccino, der unter unserer chromfarbenen Siebträgermaschine steht. Im Hintergrund die offene Theke unseres Cafés.“
Das ist der Telefon-Test.
Wenn Ihr Alt-Tag den nicht besteht, schreiben Sie ihn neu.
Warum dieser Test gleich an zwei Stellen gewinnt
Das Schöne am Telefon-Test ist, dass er zwei Probleme auf einmal löst.
Erstens: Google versteht den Kontext. Die Suchmaschine bekommt ein klares Bild davon, was zu sehen ist. Nicht nur das Hauptmotiv, sondern auch die Atmosphäre, die Anwendung, die Geschichte dahinter. Genau das zahlt sich in der Bildersuche aus. Und in der allgemeinen Suche oft auch.
Zweitens: Echte Menschen verstehen Ihr Angebot. Sehbehinderte Menschen lassen sich Webseiten vorlesen. Der Screenreader liest auch den Alt-Tag. Wenn dort steht „Kaffeemaschine kaufen billig“, ist das eine Beleidigung der Intelligenz dieser Menschen. Wenn dort steht, was tatsächlich zu sehen ist, fühlen sie sich angesprochen. So einfach ist das.
Es gibt einen dritten Punkt, der gerne übersehen wird. Seit dem 28. Juni 2025 ist Barrierefreiheit für viele Webseiten und Onlineshops in Deutschland Pflicht. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz lässt da wenig Spielraum. Wer es bis heute ignoriert, riskiert Abmahnungen und Bußgelder. Und nein, das gilt nicht erst „irgendwann“, das gilt jetzt.
Aber bleiben wir ehrlich. Es geht nicht um Pflicht. Es geht um Anstand.
Wer eine Webseite betreibt, die nur ein Teil der möglichen Besucher nutzen kann, hat etwas verpasst. Und wer beim Schreiben eines Alt-Tags ausschließlich an den Algorithmus denkt, schreibt für eine Maschine. Nicht für Menschen. Beides ist ein Fehler, der über die Zeit teurer wird, als die zehn Minuten Arbeit es jemals waren.
Die kleine Übung, die heute schon Wirkung zeigt
Machen Sie jetzt etwas Konkretes. Nicht morgen, nicht nach dem nächsten Strategie-Meeting.
Öffnen Sie Ihre wichtigste Seite. Ihre Startseite. Oder die Seite, die am häufigsten besucht wird.
Schauen Sie sich das wichtigste Bild an, das dort prangt.
Wie heißt die Datei? Was steht im Alt-Tag?
Wenn die Datei Unbenannt-1.jpg heißt und der Alt-Tag leer ist, haben Sie gerade gefunden, woran es hakt. Korrigieren Sie diese eine Datei. Heute. Dann die nächste. Und die nächste.
Sie müssen nicht in einem Rutsch alle Bilder Ihrer Website durchgehen. Beginnen Sie mit den fünf wichtigsten. Das ist der Hebel, der die schnellste Wirkung bringt.
Warum die meisten das trotzdem nicht tun
Hier kommt der unbequeme Teil.
Die meisten Webseitenbetreiber wissen das alles längst. Sie haben es gelesen, sie haben genickt, sie haben sich vorgenommen, mal etwas zu ändern. Und trotzdem sehen ihre Media-Ordner aus wie der Posteingang eines Praktikanten am Freitagnachmittag um halb fünf.
Warum?
Weil es klein ist. Weil es unscheinbar ist. Weil es nicht glänzt.
Es gibt keine Schlagzeile für jemanden, der seine Dateinamen aufräumt. Kein Selfie für die nächste Konferenz. Es gibt nur einen sauberen Media-Ordner und eine Suchmaschine, die plötzlich versteht, was Sie ihr seit Jahren zeigen.
Die unsichtbaren Dinge entscheiden mehr als die sichtbaren.
Denken Sie an einen guten Übersetzer. Er wägt jedes Wort dreimal ab, bevor er es notiert. Niemand sieht diese Arbeit. Niemand applaudiert dafür. Aber wenn der fertige Text gelesen wird, spürt jeder, dass die Mühe geleistet wurde, ohne benennen zu können, woran er es spürt.
Genauso ist es mit Bilder-SEO. Es ist die Arbeit, die niemand sieht. Bis sie fehlt.
Was sich ändert, wenn Sie es ernst meinen
Eine letzte Frage an Sie:
Was wäre, wenn jedes Bild auf Ihrer Webseite ein Stück Arbeit für Sie übernähme? Wenn jedes Foto ein zusätzlicher Hinweis für Google wäre, dass Sie der Anbieter sind, den die Suchenden gerade brauchen? Wenn jeder Alt-Tag gleichzeitig den sehbehinderten Besucher willkommen hieße?
Genau das passiert, wenn Dateinamen sprechen und Alt-Tags den Telefon-Test bestehen.
Sie geben Google die Brille, die es braucht. Sie geben sehbehinderten Menschen die Stimme, die sie verdient haben. Und Sie geben Ihrem eigenen Auftritt das, was teure Hochglanzfotos allein niemals liefern können: Auffindbarkeit.
Kleine Mühe.
Große Wirkung.
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