Nofollow

Nofollow

Inhaltsverzeichnis

Stellen Sie sich eine Feier vor. Sie bringen einen Bekannten mit.

Sie können ihn auf zwei Arten vorstellen. „Das ist Tom, für den lege ich die Hand ins Feuer.“ Oder schlicht: „Das ist Tom.“ Punkt.

Im ersten Fall geben Sie ihm etwas von Ihrem Ruf mit. Im zweiten nennen Sie nur einen Namen.

Genau dieser Unterschied steckt im Nofollow-Attribut.

 

Illustration zu Nofollow mit rel=nofollow, blockiertem Linkjuice und Hinweis, dass keine Empfehlung ausgesprochen wird.

Nofollow kennzeichnet Links, für die keine ausdrückliche Empfehlung oder Bürgschaft an Suchmaschinen weitergegeben wird.

 

Was ist Nofollow?

Nofollow ist eine kleine Anweisung im HTML-Code, mit der Sie Suchmaschinen sagen: Diesen Link führe ich hier auf, aber ich bürge nicht für ihn. Technisch sitzt sie im rel-Attribut eines Links und sieht so aus:

<a href="https://example.com" rel="nofollow">Beispiel-Link</a>

Ein Wort, eine Welt an Bedeutung. Der Link bleibt klickbar, sichtbar, vollständig nutzbar. Was sich ändert, ist das Signal an die Maschine dahinter: Verrechne diese Empfehlung nicht mit meinem Namen.

Google führte das Attribut 2005 ein. Der Anlass war wenig glamourös: Spam in Kommentarspalten. Damals fluteten automatisierte Programme jede offene Kommentarfunktion mit Links, in der Hoffnung, sich so im Ranking nach oben zu mogeln. Nofollow war das Schild an der Tür. Hier kommt ihr nicht durch.

 

Wozu das Attribut dient

Ein Link ist im Netz nie nur ein Link. Er ist eine Geste. Wer von seiner Seite auf eine andere verweist, reicht ein Stück Vertrauen weiter. Fachleute nennen das den „Linkjuice“: die Kraft, die von einer Seite zur nächsten fließt.

Nofollow dreht diesen Hahn zu. Aus drei guten Gründen.

Bei fremden Inhalten in Kommentaren und Foren wissen Sie nie, wer dort was hinterlässt. Sie haben die Plattform gebaut, nicht den Beitrag. Nofollow sagt: Das hat ein anderer dort hingeschrieben, nicht ich.

Bei bezahlten Verlinkungen geht es um Ehrlichkeit gegenüber der Suchmaschine. Wer Geld für einen Link nimmt, gibt keine echte Empfehlung ab, sondern vermietet eine Fläche. Das Attribut macht den Unterschied sichtbar.

Und bei Verweisen, hinter denen Sie nicht stehen wollen, schaffen Sie Abstand. Sie zitieren eine fragwürdige Quelle, weil der Zusammenhang es verlangt. Aber Sie nicken nicht zustimmend dazu.

Drei Situationen, ein Prinzip: Sie nennen den Namen, ohne die Hand ins Feuer zu legen.

 

Wie aus einem Befehl ein Hinweis wurde

Am Anfang war Nofollow streng. Eine klare Ansage, die Google befolgen musste: Kein Tropfen Linkjuice fließt über diesen Link. Ende der Diskussion.

Doch die Wirklichkeit des Netzes ist selten so sauber. Ein Link kann bezahlt und trotzdem inhaltlich wertvoll sein. Ein Forenbeitrag kann Spam sein oder die beste Antwort weit und breit. Ein einziges Attribut für all diese Fälle war zu grob.

2019 zog Google die Konsequenz und ergänzte zwei neue Werte:

rel="sponsored" markiert bezahlte Links. Werbung, Kooperationen, alles, wo Geld im Spiel ist.

rel="ugc" steht für „User Generated Content“, also Links, die nicht Sie gesetzt haben, sondern Ihre Nutzerinnen und Nutzer. In Kommentaren, in Foren, in Bewertungen.

Und Nofollow selbst? Blieb. Aber seine Natur veränderte sich. Aus dem Befehl wurde ein Hinweis. Seit September 2019 entscheidet Google bei der Bewertung selbst, ob es einem so markierten Link Bedeutung beimisst. Für das reine Crawlen und Indexieren gilt diese weichere Logik seit dem 1. März 2020.

Erst kam der Spam. Dann kam das Attribut. Und irgendwann die Einsicht, dass ein starres Verbot der Vielfalt des Netzes nicht gerecht wird.

Was heißt das praktisch? Dass Nofollow kein Vorhängeschloss mehr ist, sondern ein Türschild. Google liest es, wägt ab und behält sich vor, doch hindurchzugehen, wenn es das für richtig hält. Für Sie als Seitenbetreiber ändert das wenig an der täglichen Arbeit, aber viel am Selbstverständnis: Sie geben einen Hinweis, kein Gesetz.

 

Was Nofollow für Ihr SEO bedeutet

Hier wird es für Seitenbetreiber konkret. Denn das Attribut wirkt in zwei Richtungen.

Die schützende Seite: Sie bewahren Ihre Seite davor, mit zwielichtigen Nachbarschaften in einen Topf geworfen zu werden. Sie vermeiden Ärger mit Suchmaschinen, die gekaufte Links ohne Kennzeichnung als Manipulation werten. Und Sie behalten die Kontrolle darüber, wohin das Vertrauen Ihrer Seite überhaupt abfließt.

Die andere Seite: Ein Nofollow-Link überträgt in aller Regel keinen direkten Ranking-Vorteil auf sein Ziel. Wer Backlinks sammelt, um zu wachsen, schaut auf solche Links also mit gemischten Gefühlen.

Und genau hier beginnt der Denkfehler.

Viele Seitenbetreiber behandeln den eigenen Linkjuice wie einen Goldschatz, der niemals das Haus verlassen darf. Sie hängen an jeden ausgehenden Link ein Nofollow, aus Angst, etwas zu „verlieren“. Das ist nicht klug. Das ist Geiz mit guter Tarnung.

Denken Sie an einen Fachartikel, der seine Quellen sorgfältig belegt. Studien, Originaldokumente, die Arbeit anderer Köpfe. Würde der Autor jeden dieser Verweise mit Nofollow entwerten, bekäme die Suchmaschine ein seltsames Bild: einen Text, der überall hinzeigt und nirgends hinzustehen scheint. Wer dagegen offen verlinkt, wo er überzeugt ist, wirkt wie das, was er sein will. Eine Stimme, die sich auf andere beruft und dazu steht.

Wer jeden Link zukleistert, verrät nichts über die fremden Seiten. Sondern viel über die eigene Angst.

Großzügig und ehrlich zu verlinken kostet Sie nichts an Substanz. Es macht Ihre Seite zu einem verlässlichen Wegweiser. Und Wegweiser werden öfter aufgesucht als verschlossene Türen.

 

Wann Sie Nofollow wirklich setzen sollten

Es gibt klare Fälle. Drei vor allem.

Wenn andere auf Ihrer Seite schreiben dürfen, also bei Kommentaren, Forenbeiträgen, Gästebüchern. Hier ist rel="ugc" heute die feinere Wahl, oft in Kombination mit Nofollow.

Wenn Geld den Link erzeugt hat, also bei bezahlten Beiträgen, Werbung, Kooperationen. Hier bevorzugt Google rel="sponsored". Wer das ignoriert, riskiert eine Abstrafung.

Wenn Sie verweisen müssen, aber nicht empfehlen wollen: die fragwürdige Studie, der dubiose Anbieter, der Wettbewerber, den Sie nennen, aber nicht aufwerten möchten.

Eine Warnung am Rand. Für interne Links auf Ihrer eigenen Seite, die Google gar nicht erst crawlen soll, ist Nofollow das falsche Werkzeug. Dafür gibt es die robots.txt. Nofollow regelt, wem Sie vertrauen, nicht, was die Suchmaschine zu sehen bekommt.

Welche Links auf Ihrer Seite stehen eigentlich dort, weil Sie wirklich hinter ihnen stehen? Und welche nur, weil Sie sich nie die Mühe gemacht haben, hinzuschauen?

 

Kombinieren, aber mit Verstand

Die drei Attribute sind keine Konkurrenten. Sie sind ein Werkzeugkasten.

Ein Link aus einem bezahlten Forenbeitrag kann beides zugleich sein. rel="ugc sponsored" erfasst genau das: von einem Nutzer erstellt und bezahlt. Auch rel="nofollow ugc" ist gängig, etwa um mit älteren Systemen kompatibel zu bleiben, die die neueren Werte noch nicht kennen.

Wichtiger als die Technik ist die Haltung dahinter. Setzen Sie diese Attribute nicht nach Bauchgefühl oder aus Gewohnheit. Setzen Sie sie, weil sie der Wahrheit über den Link entsprechen. Ein Werkzeug, das man wahllos schwingt, richtet mehr Schaden an als gar keins.

 

Die hartnäckigsten Irrtümer

Um kaum ein SEO-Thema ranken sich so viele Halbwahrheiten.

„Nofollow-Links sind wertlos.“ Falsch. Sie übertragen vielleicht keinen direkten Ranking-Saft. Aber sie bringen echte Menschen auf Ihre Seite, stärken Ihren Namen und machen Sie sichtbar. Reddit, Wikipedia und viele große Plattformen setzen Nofollow standardmäßig, und trotzdem ist ein Link von dort viel wert. Nicht für die Maschine. Für die Menschen.

„Suchmaschinen ignorieren Nofollow-Links komplett.“ Auch falsch. Seit der Hinweis-Logik behandelt Google diese Links als ein Signal unter vielen und entscheidet selbst, was es daraus liest.

„Nofollow schützt zuverlässig vor Strafen.“ Ein gefährlicher Glaube. Das Attribut hilft, ja. Aber eine Seite, die jeden zweiten Link auf Nofollow setzt, sendet ein merkwürdiges Signal. Misstrauen lässt sich nicht durch noch mehr Misstrauen heilen.

 

Die eigentliche Frage

Nofollow ist am Ende kein technischer Trick. Es ist eine Frage der Ehrlichkeit.

Jeder Link, den Sie setzen, ist ein kleines Versprechen an Ihre Leser. Da lohnt sich der Klick. Das Attribut entscheidet nur, ob Sie dieses Versprechen auch gegenüber der Suchmaschine mit Ihrem Namen unterschreiben.

Verlinken Sie großzügig, wo Sie überzeugt sind. Setzen Sie Nofollow, wo Sie es ehrlich meinen. Und hören Sie auf, Ihren Ruf zu hüten wie ein Geizhals seine Münzen.

Bevor Sie das nächste Mal einen Link setzen, fragen Sie sich nur das eine: Würden Sie dafür die Hand ins Feuer legen?

 

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